Viele Teams sind hoch motiviert, hervorragend vernetzt, ständig in Bewegung – und trotzdem werden Entscheidungen oft langsamer, anstrengender und immer schwieriger zu treffen.
Eigentlich ein Widerspruch: Wir investieren mehr denn je in Zusammenarbeit, Alignment, Beteiligung und Abstimmung. Agile Arbeitsweisen haben Entscheidungsarbeit bewusst auf viele Schultern verteilt. Entscheidungen werden heute nicht mehr ausschließlich von Führungskräften getroffen, sondern von Product Owner, Scrum Master, Entwickler:innen, Architekt:innen, Teams und Führungskräften gleichermaßen.
Doch welche unbeabsichtigten Nebenwirkungen entstehen, wenn Organisationen immer stärker auf Zusammenarbeit und Beteiligung setzen?
Bei einem Muay-Thai-Event während meines Thailand-Urlaubs fiel mir etwas auf, das mich auch am folgenden Tag nicht losließ. Zurück im Arbeitsalltag begegnete mir dasselbe Muster immer wieder – in Meetings, Projekten, agilen Teams, Führungsrunden und Entscheidungsprozessen. Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Parallelen erkannte ich zwischen meinen Beobachtungen im Ring und dem, was in komplexen Organisationen passiert.
Auch in der Forschung tauchten ähnliche Themen immer wieder auf: steigender Abstimmungsaufwand, unklare Verantwortlichkeiten, die Angst vor falschen Entscheidungen, Konsensfallen und Organisationen, die trotz bester Absichten langsam ihre Entscheidungsfähigkeit verlieren.
In diesem Vortrag verbinde ich persönliche Beobachtungen, praktische Erfahrungen aus agilen Arbeitsumfeldern sowie Erkenntnisse aus der Forschung, um einer unbequemen Frage nachzugehen:
Haben wir bei all unseren Bemühungen um Zusammenarbeit verlernt zu entscheiden?
Gemeinsam betrachten wir, wie sich die Entscheidungslandschaft in modernen Organisationen verändert hat, warum Entscheidungen in komplexen Systemen zunehmend schwerfallen, und welche versteckten Kosten entstehen, wenn Entscheidungen zu lange aufgeschoben werden.
Freut euch auf einen reflektierten, praxisnahen und durchaus selbstkritischen Vortrag über die Nebenwirkungen guter Zusammenarbeit, die Bedeutung von Entscheidungsfähigkeit in agilen Organisationen, konkrete Impulse für den Umgang mit Entscheidungsstaus – und darauf, warum jede und jeder mindestens einmal Muay-Thai gesehen haben sollte.
Manuela Raidl ist Change- und Kommunikationsmanagerin mit Hintergrund im agilen Umfeld. Ihre Reise begann als Scrum Master und führte sie schließlich zu der Frage, wie Menschen, Teams und Organisationen mit Veränderung umgehen.
Heute begleitet sie Veränderungsprozesse in komplexen Organisationen und beschäftigt sich insbesondere mit den Themen Zusammenarbeit, Entscheidungsfindung und Organisationsentwicklung. Für Manuela ist Agilität dabei weniger ein Framework als vielmehr eine Denkweise, die Orientierung in einer zunehmend komplexen Welt geben kann.
In den vergangenen Jahren stand Manuela bei verschiedenen Konferenzen in Europa auf der Bühne und teilte ihre Erfahrungen zu Themen wie kultureller Zusammenarbeit, Teamentwicklung und organisationalem Wandel. Besonders gerne verbindet sie persönliche Beobachtungen mit praktischen Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag und schafft so neue Perspektiven auf bekannte Herausforderungen.